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Der 7:6-Coup gegen die Niederlande hat den deutschen Wasserballerinnen bei dem WM-Turnier in Montreal auf einmal unerwartete Chancen eroeffnet: Heute nacht kann sich die DSV-Sieben in der vorletzten der 24 Vorrundenpartien mit einem Erfolg gegen Brasilien (23:45 Uhr MESZ) sogar aus eigener Kraft den zweiten Platz in der Gruppe D holen, und der braechte nach dem Stand der Dinge eine recht interessante (und auch machbare) Überkreuzpartie am Sonnabend gegen Ozeanien als Tabellendrittem der "deutschen" Parallelgruppe C. Die Aussichten sind verlockend, doch der Weg dorthin ist noch weit und wahnsinnig schwer. Siege gegen Brasilien und dann Neuseeland wuerden der DSV-Sieben den Einzug unter die besten Acht in der Welt bringen, was es seit dem WM-Turnier 1994 in Rom nicht mehr gegeben hat. "Das waere fuer uns wie ein vierter Platz bei den (deutschen, d. Red.) Maennern", sagte Torfrau Simone Budde nach dem Sieg gegen die Niederlande. Und als Sahnehaeubchen: Sieben dieser acht Teams wuerden sich neben dem Gastgeber zudem auch fuer den FINA-Weltcup der Frauen 2006 im chinesischen Tientsin qualifizieren, doch das Viertelfinale hatten die deutschen Frauen auch 2003 bei der Weltmeisterschaft in Barcelona schon vor den Augen gehabt, als man nach einer brillianten Vorrunde (mit einem Sieg ueber den spaeteren Olympiafinalisten Griechenland) in der Überkreuzpartie gegen Gastgeber Spanien regelrecht unterging. Noch neun Niederlagen der DSV-Frauen in zehn Weltliga-Spielen waere das ein regelrechter Coup, doch die Stolpersteine auf dem Weg dorthin sind im Jean-Drapeau-Park auf der Île Sainte-Hélène noch reichlich vorhanden. Das faengt bereits bei den Gegner an, denen Bundestrainer Bernd Seidensticker das Wort "Aussenseiter" wirklich nicht verleihen mag. Gegen Brasilien hatte man vor drei Wochen in La Jolla (US-Bundesstaat Kalifornien) sogar das erste der beiden Weltliga-Spiele mit 6:10 verloren. Eine vergleichbare Pleite hatte es im Januar bei der Juniorinnen-Weltmeisterschaft im australischen Perth gegeben, wo der DSV-Nachwuchs durch ein 6:6 gegen Neuseeland die sicher geglaubte Viertelfinalteilnahme aus der Hand gab. Die Probleme fangen aber schon bei den Gegnern an: Weder Brasilien noch Neuseeland haben bei dieser WM enttaeuscht; die Suedamerikanerinnen hatten zum Auftakt beim knappen 6:7 gegen die Niederlande ihrerseits ebenfalls einen Sieg auf der Hand gehabt. "Die schlagen wir jedenfalls nicht mit links", warnt Seidensticker schon seit langem vor dem gestiegenen Leistungsvermoegen in Übersee. Das naechste Problem ist der deutsche Kader, der am Dienstag gegen die "Oranjes" erneut bis an die Schmerzgrenze gehen musste. Heute abend geht es nach nur 48 Stunden der Erholung wieder bei null los; erneut sind viel Konzentration und Kondition gefordert, und das junge Team darf sich angesichts der begrenzten spielerischen Mittel keine grossen Patzer leisten. Und es liegen noch faszinierende Rechenspiele in der Luft: Die Deutschen haben ihrerseits noch nicht einmal den Einzug in die Überkreuzpartie der Medaillenrunde sicher. Sollten die Niederlande wieder Erwarten gegen die bis dato recht starken Australierinnen gewinnen, dann muessten die DSV-Sieben ihrerseits anschliessend sogar unbedingt mindestens einen Punkt gegen Brasilien holen, um nicht als Gruppenletzter durch den verlorenen Direktvergleich gegen die Suedamerikanerinnen auszuscheiden. Doch die "Oranjes" muessen ihrerseits ein "worst case"-Szenario befuerchten. Sollte der achtmalige Weltcupsieger gegen Australien verlieren (was alles andere als unwahrscheinlich ist), dann braucht die Sieben von Trainer Paul Metz sogar die Schuetzenhilfe der Deutschen zum Einzug in die naechste Runde. Bei einer Niederlage der DSV-Sieben mit zwei oder mehr Toren, waeren die Niederlande durch verlorenen Direktvergleich gegen die Seidensticker-Combo sogar Tabellenletzter und wuerden gegen Usbekistan um die Raenge 13 bis 16 spielen - das waere dann der absolute Tiefpunkt fuer den niederlaenischen Frauenwasserball. Und bei den Formschwankungen der jungen deutschen Mannschaft ist das alles andere als ausgeschlossen ...
Autor: Wolfgang Philipps
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