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Es ging unerwartet schnell: Kurz vor Beginn der Schwimm-Weltmeisterschaften in Montreal hat der Technische Kongreß des Weltverbandes FINA heute bei der Tagung im Sheraton-Hotel eine Reihe von Regeländerungen im Wasserball beschlossen, so wie es im Vorfeld prognostiziert worden war. Beobachter vor Ort berichteten, daß die von der FINA unterstützten Vorschläge praktisch en bloc durchgewunken wurden. "Das Spiel ist zu statisch und brutal geworden, und wir hoffen, daß die Regeländerungen mehr Bewegung bringen, und parallel dazu mehr Tore und mehr Spannung für die Zuschauer", erklärt John Whitehouse (Australien), der Sekretär des FINA-Wasserballaussschusses, die Hintergründe der heutigen Entscheidungen. In Zukunft dauert ein internationales Spiel, wie in dieser Saison bereits in der Weltliga der Männer und Frauen praktiziert, 32 (4 x 8 Minuten) statt bisher 28 Minuten (4 x 7), und das mit fünfminütiger Halbzeitpause. Allerdings werden in der DWL und verschiedenen anderen Topligen schon jetzt in einer Partie 36 Minuten (4 x 9 Minuten) gepielt. Darüber hinaus wird der Frauenwasserball wieder vom 30- auf das 25-Meter-Spielfeld zurückgehen, auf dem bereits bis 2001 gekämpft worden war. Um das Spiel insgesamt schneller und abwechslungsreicher zu machen, beschloß der Technische Kongreß darüber hinaus, daß die Mannschaften ihren Angriff bereits nach 30 Sekunden und nicht mehr nach 35 Sekunden abschließen müssen. Bis 1980 hatte man sogar noch 45 Sekunden gespielt. Die zweite große Komplex der heutigen FINA-Beschlüsse ist die Verschmelzung von Vier- und Siebenmeterline, die beide komplett verschwinden werden, zugunsten einen neuen Fünfmeterline (siehe auch Graphik). Die damit verbundenden Regeln werden jetzt samt und sonders auf die neue Fünfmeterline bezogen werden. Somit werden Strafwürfe beim Wasserball künftig nicht mehr aus vier, sondern aus fünf Metern ausgeführt, so daß die Sportart eines ihr markantesten Merkmale einbüßt. Gleiches gilt aber auch für die direkten Freiwürfe, die nunmehr bereits jenseits von fünf Meter erfolgen können, und dieses könnte in der Tat für revolutionäre Veränderungen sorgen. Weitere Regeln (nachfolgend ohne Anspruch auf Vollständigkeit) ergänzen den Grundegedanken des schnellen Spieles und der Spielumkehr: (Unbeabsichtigte) Eckbälle können jetzt nur noch von den Torhütern verursacht werden, bei den Verteidigern gibt es dagegen einen Torabwurf. Zum Abblocken eines Schusses darf nur noch ein Arm gehoben werden. Die altbekannte (aber oftmals nicht angewandte) "Hinausstellung ohne Ersatz" wegen Brutalität zieht zwar einen sofortigen Strafwurf nach sich, wird aber in Zukunft (neben einer Sperre des Schuldigen) nur noch vier Minuten effektiver Spielzeit dauern; danach kann ein Auswechselspieler wieder in das Geschehen eingreifen. Insgesamt werden die Strafen aber verschärft, was vielleicht die Härte aus dem Spiel nehmen könnte. Die Regeln sollen dem Vernehmen nach bis Ende 2006 zunächst einmal nur experimentellen Charakter haben, so daß spätestens bis zur Weltmeisterschaft 2007 in Melbourne alle Fragen geklärt sind, und da dürfte in der Tat noch reichlich Bedarf bestehen. Wie der DSV auf nationaler Ebene mit den neuen Regeln umgehen werden, bedarf ebenfalls noch der Klärung im Detail, zumal sich einige dieser Regeln eher kontraproduktiv auswirken könnten. So verursachen Spielzeiten von 4 x 8 Minuten zusätztliche Hallenkosten und machen in den unteren Ligen sportlich in der Regel keinen Sinn. Jugendtrainer befürchten im C- und D-Jugend-Bereich zudem negative Auswirkungen der verkürzten Distanz bei den direkten Freiwürfen, da dieses stark zu Lasten der Spielkultur ginge.
Autor: Wolfgang Philipps (14.07.2005)
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