Dunkle Wolken am Horizont

Am politischen Horizont stiegen drohende Wolken auf, die dann im Januar des Jahres 1933 zur Machtübernahme durch die NSDAP führte.

Trotz allem war unser Vorstand noch optimistisch und stellte für die Schwimmerfamilie in der Generalversammlung vom 14. Januar 1933 im „Volkshaus“ folgenden Plan auf:

05.02. -Schnitzeljagd der Frauen-Abteilung, 19.02. -Bezirks-Spartentag, 04.03. -Faschingsschwimmfest im Hansabad, 19.03. -Sport-Revue in den Centralhallen, 28.05. -40-jähriges Bundes-Jubiläum mit Stromschwimmen, 25.06. -Jugend-Sonnenwendfeier in Villa Marßel, 16.07. -Kreisfest in Hildesheim

Von all diesem wurde nur noch die Schnitzeljagd durchgeführt.

Dem neuen „Sportkommissar“ war der Name „Freie Schwimmer Bremen“ nicht genehm.

Darum erhielt der Verein am 6. Juni 1933 von der damaligen NS-Regierung eine

Verfügung, nach der der Verein sofort aufzulösen sei.

Dem damals amtierenden Vorsitzenden, Henry Schween, gelang es aber, das Vereinsleben durch eine „Gleichschaltung“ und durch die Änderung des Namens in

„Schwimmverein Bremen“  aufleben zu lassen.

Am 8. Juni 1933 erschien folgendes Rundschreiben:

Freie Schwimmer Bremen

Liebe Mitglieder!

Laut Verfügung des Landesbeauftragten, Herrn Sportkommissar Köwing, ist mit dem 6. Juni 1933 unser Verein aufgelöst. An seine Stelle tritt mit dem heutigen Tage der „Schwimmverein Bremen“. Der gesamte Vereinsbetrieb bleibt bestehen und verweisen wir auf untenstehende Bekanntmachung unseres zukünftigen Vorsitzenden.

Mit Ausnahme des 1. Vorsitzenden und des 1. Schriftführers bleibt voraussichtlich der gesamte Funktionskörper in seiner alten Zusammensetzung und werden alle Mitglieder ihre Tätigkeit im Interesse des Vereins weiterhin ausüben.

Wir bitten daher dringend, dass jedes Mitglied dem Verein die Treue hält und auch der Beitrag wieder pünktlich beglichen wird.

Werbt wieder eifrig für unseren schönen Schwimmsport im Interesse der Volksgesundheit! Denkt auch an Eure eigene Gesundheit und besucht darum den Vereinsbetrieb!

                                                                            Der Vorstand

                                                 gez.: H.Schween     H. Bolte     H. Hillebrecht

„Der Sportkommissar Köwing hat mich beauftragt, für die Folge die Führung des Vereins, der in Zukunft unter dem Namen „Schwimmverein Bremen“ läuft, zu übernehmen. Ich bin weiter beauftragt worden, Ihnen die inzwischen erfolgte Gleichschaltung bekanntzugeben. Es ist daher Pflicht eines jeden Mitgliedes, dem es daran liegt, dass der Verein in der bisherigen Form weiter bestehen soll, in der am Sonnabend, dem 17. Juni d. J. im Haus der Deutschen Arbeit (Volkshaus), Saal 3, stattfindenden Generalversammlung zu erscheinen. In dieser Versammlung werden wichtige Fragen besprochen, so dass das Erscheinen eines jeden Pflicht ist.“

                                                              Der Beauftragte des Sportkommissars

                                                                           gez. Karl Lehmkuhl

Die erwähnte Versammlung fand am 17. Juni statt und Pg. Karl Lehmkuhl übernahm die Führung unseres jetzt „gleichgeschalteten“ Vereins.

Man glaubte , hiermit die Hindernisse beseitigt zu haben, aber trotz der Umstellung durfte das Vereinsleben in der alten Form nicht fortgeführt werden. Darum wurde der Beschluss gefasst, den Verein aufzulösen und

zum „Schwimmverein Weser“ überzutreten.

Unser schönes, mit vielen Opfern aufgebautes Vereinsheim mit seinem Inventar wechselte den Besitzer und die

Kassenübergabe mit einem Bestand von 235,02 RM

erfolgte am 24. Juli 1933 an den Schwimmverein „Weser“.

Dies alles war für den Verein sehr hart, aber mit dieser Lösung blieb der Verein der Idee treu, der Gesundheit unserer Jugend zu dienen. Die Badebekleidung wechselte von rot-weiß auf schwarz-weiß, aber nicht als Zeichen der Trauer – es waren die Vereinsfarben vom SV “Weser“.

Der Zweite Weltkrieg im Jahre 1939 setzte unter allem seinen Schlussstrich. Im Bombenhagel erstarb das sportliche Leben wie in fast allen deutschen Vereinen. In Trübsal und Leid dachten nur wenige Menschen an die Schwimmerei.